Ein Gründungsdatum oder Gründungsjahr, der Hoogsteder Feuerwehr, konnte jahrelang nicht gefunden werden. Erst nachdem die Hoogsteder Egbert und Jan-Lukas Haamberg, im Staatsarchiv von Osnabrück, das Ortsstatut der Landgemeinde Hoogstede-Bathorn des Jahres 1902 fanden, konnte das Gründungsdatum auf den 01.04.1902 festgelegt werden.

Zeitzeugen berichten...

In einigen Gesprächen aus vergangener Zeit, mit den Herren G.J. Lübbers sowie G. und B. Prenger (heute Lübberink) aus Tinholt wussten diese zu berichten, das die Handdruckspritze aus Hoogstede erstmals in Tinholt im Jahre 1916 bei einem Hausbrand der Familie Laarmann (heute Haus Gebhard an der Vechtetalstraße) eingesetzt wurde. Die neue Spritze wurde nach deren Meinung aber schon weit früher angeschafft, die wahrscheinliche Beschaffungszeit liegt bei 1907-1912. Demnach hat es auch schon vorher eine Handdruckspritze gegeben. Einen weiteren größeren Brand in Tinholt gab es noch im Jahre 1918. Johann Jeurink und Johann Scholten aus Arkel konnten sich erinnern, dass ein Lehrer Schievink in Hoogstede Wehrführer der Hoogsteder Feuerwehr war.
Der Sohn von Herrn Schievink habe noch lange Jahre in Uelsen gewohnt. Tatsächlich war Johannes Schievink Lehrer in Hoogstede von 1902-1913. Laut Aussagen von Lukas Köster (gebürtiger Hoogsteder) aus Emlichheim war Lehrer Schievink Brandmeister in Hoogstede, bevor die Familie mit ihrem Bauernhof von Arkel nach Hoogstede umsiedelte. Im Giebel des Hofgebäudes der Familie Köster ist das Baujahr 1912 auf einem Jahresstein neben anderen Insignien zu erkennen. Die Familie Köster wurde damals zum Spanndienst für die von Pferden gezogene Handspritze eingesetzt. Neben vielen anderen Landwirten ist auch die Familie Jeurink von der Wilsumer Straße für diesen so genannten Spanndienst eingesetzt worden. Diese Landwirte mussten zwei starke Zugpferde haben, um diesen Spanndienst zu verrichten.

In welchem Jahr der Leegraben in der Nähe von Habers Brücke (heute Köper) trocken gelegt werden sollte wusste der 1900 geborene Hoogsteder Lambertus Jeurink (Brandmeister von 1954-1964) nicht. Er wäre damals ein junger Mann gewesen und habe sich das auch mal angesehen. Hier sollten Gold und Silberschätze von den Franzosen während eines Feldzuges durch Deutschland verscharrt worden sein. Mehrere Tage wurde fleißig gepumpt und des Öfteren gemessen. Und obwohl der Leegraben aufgestaut worden war, fleißig gepumpt wurde, sei der Wasserstand kaum gesunken. Die nachlaufende Wassermenge war einfach zu groß. In etwa 2 Stunden Abstand wurde immer wieder gemessen, aber der Wasserstand hatte sich kaum 1 cm gesenkt. Und abgesehen davon: Wenn man es geschafft hätte, wäre es die richtige Stelle gewesen, an dem der Goldschatz versteckt war?

Über lange Jahre hatte die Feuerwehr einen großen amerikanischen Ford V8 mit über 4 Liter Hubraum als Zugfahrzeug für einen schweren Spritzenanhänger. Auf diesem Anhänger konnten in Längsrichtung an beiden Seiten auf den angebauten Sitzbänken noch 3-4 Feuerwehrleute sitzen. Das Zugfahrzeug brauchte sehr viel Benzin. Als Beispiel nannten alte Feuerwehrkameraden eine Fahrt nach Nordhorn und zurück. Dann war der großvolumige Tank bereits leer gewesen. Auf dem schweren Spritzenanhänger befand sich eine große Motorpumpe der Marke Kaeble, die von einem schweren DKW Zweitaktmotor angetrieben wurde. Der Motor durfte im warmen Zustand nicht abgestellt werden. Wurde er versehentlich doch abgestellt, so musste man ihn längere Zeit abkühlen lassen bevor er wieder neu gestartet werden konnte. Die Motorpumpe und der Ford V8 waren bis zum Jahr 1954 bei der Feuerwehr Hoogstede im Einsatz. Die Kameraden Gerd Gosen (gestorben 2005) und Jan Jeurink traten Anfang August 1941 während des 2.Weltkrieges als 16 jährige junge Männer in die Feuerwehr Hoogstede ein. Dass es zu dieser Zeit schon sehr militärisch zuging, beweisen viele Gespräche aus ihren Anfangszeiten. So kam es zum Dienstabend für einen alten Kameraden, der sich verspätet hatte, zur Meldung an den damaligen Brandmeister Hindrik-Jan Ensink wie folgt: „Kamerad Schoemaker meldet sich verspätet zum Dienst.“ In Grundstellung und mit Hitlergruß. Der Kamerad Schoemaker war einige Jahre älter als der Brandmeister Ensink und beide kannten sich gut. Auch sonst war der Dienst mit sehr viel Militärischem Drill versehen. Eben Hitlerzeit und Kriegszeit. Hindrik Jan Ensink war vermutlich seit 1935 Brandmeister der Hoogsteder Wehr weit über die Kriegszeit hinaus. Vor ihm waren die Herren Haubrich und B.Stönnebrink viele Jahre Brandmeister in Hoogstede. Im Jahre 1938 wechselte Friedrich Bollen von der Emlichheimer Feuerwehr zur Hoogsteder Feuerwehr. Bollen war gebürtiger Ohner und trat 1934 aufgrund seiner Arbeitsstelle in die Emlichheimer Feuerwehr ein. In Hoogstede hat er 1938 ein Zweiradgeschäft mit Reparaturwerkstatt eröffnet. Durch den Militärdienst als Soldat und längerer Kriegsgefangenschaft kam es aber zu einer Unterbrechung des Feuerwehrdienstes. Auch Jan Jeurink war Soldat, wurde im Krieg schwer verletzt und befand sich einige Jahre in Kriegsgefangenschaft. Im Sommer 1954 wurde ein neues „modernes“ Löschgruppenfahrzeug LF 8 mit Frontpumpe und einer einschiebbaren Tragkraftspritze ( TS ) im hinteren Geräteraum beschafft. Das neue Fahrzeug hatte Platz für 9 Feuerwehrleute. Es konnte die erforderliche Menge an Saug- und Druckschläuchen und sonstigen Gerätschaften aufnehmen. Ferner waren auf dem Dach Vorrichtungen für Leitern, Feuerpatschen, Einreißhaken und sonstige sperrige Geräte vorhanden und konnten gesichert transportiert werden. Für die Feuerwehr fing eine Neuzeit an. Bei dem Fahrzeug handelte es sich um ein Opel Blitz Fahrgestell mit einem 6 Zylinder 2,5 Liter Reihenmotor und hatte 85 PS. Der Aufbau wurde gemäß den damaligen Standardausrüstungen für die Feuerwehren in Niedersachsen von der Firma Graeff in Else gefertigt.

Zein Hans (Ortsbrandmeister von 1980-1998) begann im April 1954 bei Friedrich Bollen – Fahrräder – Nähmaschinen und Fahrzeuge seine Lehre. Er musste schon bald beim Umbau von Halterungen, Zusatzgeräten, Beleuchtungen und Signalanlagen helfen. Die Räder und Achsen des alten Ford V8 wurden für den Bau eines Gummiwagens für einen Pferdezug verwendet. Die Räder waren mit Speichen bestückt. (Wie heute ein Fahrrad). Der alte schwere Spritzenanhänger mit seiner Zugvorrichtung wurde noch viele Jahre als Anhänger am LF8 gebraucht und nahm nach den Einsätzen die nassen Druckschläuche auf. Ca. 1970-1974 wurde der Anhänger verschrottet.

Die Emlichheimer Feuerwehr hatte fast zur gleichen Zeit um 1954 ein ähnliches Löschgruppenfahrzeug auf einem Borgward Fahrgestell beschafft.

Mit der Gründung der Samtgemeinde Emlichheim 1974 wurden auch die 3 bis dahin selbständigen Feuerwehren Emlichheim, Hoogstede und Ringe/Neugnadenfeld zu einer Gemeindefeuerwehr zusammengelegt. Erster Gemeindebrandmeister war der Bezirksschornsteinfeger Hans Braunert aus Emlichheim. Jede Feuerwehr musste nun ihre Selbständigkeit aufgeben. Schon bald wurden alle Fahrzeuge auf ihren Sicherheits- und Ausrüstungszustand überprüft. Das Emlichheimer LF 8 Borgward wurde wegen vieler technischer Mängel ausgemustert. Das Hoogsteder LF 8 Opel Blitz konnte noch ein paar Jahre als Löschgruppenfahrzeug einsatzfähig bleiben. So bekamen die Emlichheimer 1975 ein LF 8 auf einem Mercedes Benz Fahrgestell und Ziegler Aufbau. Das LF 8 Borgward wurde sofort verschrottet. Im Jahre 1977 bekam auch die Hoogsteder Feuerwehr ein LF 8 vom Fahrgestell- und Aufbauhersteller Magirus Deutz. Der alte Opel Blitz wurde nun zu einem Geräte- und Schlauchwagen umgebaut und diente somit dem Schlauchvorrat von ca. 600m B-Schläuchen, die in Buchten im Fahrzeug verlegt waren. Ferner wurde es für den Transport von Geräten zur Wasserrettung und den Geräten für Groß- und Flächenbrände ausgebaut. Auch die Frontpumpe war für die Wasserlieferung über lange Wege stets einsatzbereit und noch oft eingesetzt. Bis zum Jahr 2006 diente das Fahrzeug als Geräte und Schlauchwagen bei der Feuerwehr. Es wird derzeit restauriert um es bei Oldtimerausstellungen zu präsentieren. Im Jahre 1966/67 wurde für die Hoogsteder Wehr ein gebrauchter 3 Jahre alter VW Mannschaftstransportwagenwagen (MTW) mit 9 Sitzplätzen beschafft. Im Jahre 1982 wurde dann ein gebrauchter 2 Jahre alter Ford Transit MTW als Ersatzfahrzeug beschafft. Dieses Auto wurde von den Feuerwehrleuten komplett umgerüstet und für die Umlackierung alle Anbauteile ab- und angebaut. Nach einem Unfall wurde 1992 ein neuer MTW Ford Transit mit Dieselmotor beschafft. Im Jahre 2008 wurde wiederum ein MTW Opel Vivaro als Ersatzfahrzeug angeschafft. Im Jahre 1995 wurde der Feuerwehr Hoogstede ein gebrauchtes LF 16 TS zugeteilt. Dieses Fahrzeug wurde als großes Löschgruppenfahrzeug speziell zur Brandbekämpfung und spezieller Ausrüstung u.a. stärkere und höhere Pumpenleistungen der Frontpumpe und der Tragkraftspritze und dem hohen Schlauchvorrat für die Brandbekämpfung für den Katastrophenschutz des Landkreises Grafschaft Bentheim zur Verfügung gestellt. Ein baugleiches Fahrzeug bekam auch die Ortsfeuerwehr Georgsdorf. 1980 erhielt die Feuerwehr ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 W. Das Fahrzeug auf Mercedes Benz Unimog mit „Schlingmannaufbau“ ist Allradbetrieben und speziell für den Einsatz im Moor und Wald ausgerüstet. Es verfügt über einen 1.800 Liter großen Wassertank mit einer eingebauten Heckpumpe sowie verschiedene Gerätschaften, unter anderem eine Motorkettensäge, und einer Dachluke für die Brandbekämpfung aus dem Fahrzeug heraus. 1989 erhielt die Ortsfeuerwehr von einem Freund und Gönner ein gebrauchtes Notstromaggregat mit einer Leistung von 4 kva. In dieser Zeit wurden auch mehrere diverse Beleuchtungsgeräte beschafft. Wegen der vielen schweren Verkehrsunfälle wurde 1995 ein schwerer Rettungssatz mit Schere und Spreizer angeschafft. Dieser musste vom Notstromaggregat versorgt werden. Wenige Wochen nach der Beschaffung wurde durch einem Verkehrsunfall in Berge ein Feuerwehrkamerad aus Hoogstede in seinem Pkw eingeklemmt und unser Rettungssatz kam zum 1. Mal zum Einsatz.

Da die mit Strom zu versorgenden Geräte immer umfangreicher wurden erhielten wir im Jahr 1998 ein neues Notstromaggregat mit 8 kva Leistung.

Im Jahre 2004 wurde der mittlerweile 27 Jahre alte LF8 schwer durch ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 10/6 ausgetauscht. Dieses HLF ist mit einem Wassertank mit 600 Litern Inhalt für den Erstangriff ausgerüstet. Alle Geräte für die technische Hilfeleistung können ordnungsgemäß auf diesem Fahrzeug verlastet werden. Ein ganz großer Fortschritt ist auch, dass 2 Atemschutzgeräte, die sich im Mannschaftsraum befinden, direkt während der Fahrt zum Einsatz angelegt werden können.

Als Ersatzfahrzeug für den alten Schlauch- und Gerätewagen Opel Blitz bekam die Ortsfeuerwehr im Jahr 2006 einen VW T4 mit Doppelkabine ( 6 Sitzplätze ) und Ladefläche von der Wintershall AG aus Emlichheim geschenkt. Die Ladefläche wurde mit Plane und Spriegel überbaut. Auf dieser Ladefläche können die Schläuche ausreichend transportiert werden.

Im Jahr 1960 wurde im gesamten Landkreis der Fahrzeugfunk eingeführt. Alarmiert wurde die Feuerwehr bis zum Jahr 1990 über die Sirene. Vermutlich vor dem 2. Weltkrieg läuteten in Hoogstede bei einem Brand die Kirchenglocken (Brandglocken). Seit 1990 gibt es bei der Hoogsteder Wehr die so genannte „stille Alarmierung“, d.h. die Feuerwehrmänner werden im Einsatzfall über einen „Pieper“ von der Rettungsleitstelle alarmiert.

jfgrndungsfoto.gifUnter der Leitung des damaligen Ortsbrandmeisters Zein Hans (1980-1998) wurde nach langen vorangegangenen Gesprächen und Verhandlungen am 01.03.1984 die Hoogsteder Jugendfeuerwehr gegründet. Bei der Gründung gehörten 11 Jungen der Jugendfeuerwehr an. Reiner Weßling leitete die Jugendfeuerwehr bis zum Jahr 1991. 1991-1992 war Johann Scholten Jugendfeuerwehrwart. Darauf folgten Jörg Züwerink (1992- 2000), Daniel Loehrke (2000-2007) und schließlich Jens Gosen der seit 2007 Jugendfeuerwehrwart ist.

Ein Feuerwehrhaus (früher auch Spritzenhaus genannt) gab es in der Nähe des heutigen Feuerwehrhauses, ungefähr dort wo heute die Einfahrt zur Schützenwiese ist. Es war gerade mal so groß, dass es die Handdruckspritze und die damals vorhandenen Schläuche und Geräte aufnehmen konnte. Es stand noch leicht zusammengefallen im Jahre 1954 und wurde kurze Zeit später abgerissen. In den Jahren zuvor wurde die alte katholische Schule zur Hälfte von der Feuerwehr genutzt. Die andere Hälfte hatte die Wäscherei Gosen in Gebrauch. Danach kam die Ortsfeuerwehr in dem Gebäude der Lehrerwohnung der evangelischen Schule unter. Diese Wohnung befand sich etwa dort, wo heute die Grundschule Hoogstede steht. Es ist zu vermuten, dass es noch weitere Unterbringungen der Feuerwehr gegeben hat. Dies konnte aber nicht bestätigt werden. Ein neues Feuerwehrhaus mit 2 Fahrzeugboxen und einem kleinen Unterrichtsraum wurde im Jahr 1962/63 an der Bergstraße gebaut. Die Aufgaben der Feuerwehr, die Fahrzeuge und Gerätschaften wuchsen mit den Jahren stetig. Mitte der 80er Jahre platzte auch dieses Feuerwehrhaus aus allen Nähten und die Sicherheit der Feuerwehrleute beim Dienst und beim Ausfahren zum Einsatz war nicht mehr gegeben. So wurde das heutige Feuerwehrgerätehaus im Jahr 1988/89 komplett umgebaut und auf 3 Fahrzeugboxen erweitert. Zusätzlich wurde es um einen großen Unterrichtsraum, Vorratsräume, eine Teeküche, Büro für den Ortsbrandmeister, Jugendfeuerwehrraum und einer geräumigen Werkstatt erweitert. Während dieser Umbauphase waren die Fahrzeuge und Geräte auf dem Hof von Jan Hindrik Wiegmink in Bathorn untergebracht. Hier fanden 1988/89 auch die Dienstabende statt.

Seit 1902 hat es in Hoogstede nach unserem Kenntnisstand folgende Ortsbrandmeister gegeben:

1902-1913 Johannes Schievink (Lehrer in Hoogstede)
1913-???? B. Haubrich
????-1935 Bernd Stönnebrink sen.
1935-1954 Hindrik Jan Ensink
1954-1964 Lambertus Jeurink
1964-1980 Hermann Brouwer
1980-1998 Zein Hans
1998-2002 Albert Ensink
2002-2003 Heinrich Wiegmink
2003-2011 Jörg Züwerink
seit 01.04.2011 Maik Hübel

Diese Chronik beruht auf Aussagen von Zeitzeugen und wurde im Jahr 2008 von dem Ehrenbrandmeister Zein Hans, den Kameraden der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr Hoogstede und dem Ortsbrandmeister Jörg Züwerink zusammengetragen.